Gläser der Empire- und Biedermeierzeit

Anlässlich der Ausstellung „Gläser der Empire- und Biedermeierzeit“ im Museum für Angewandte Kunst in Wien möchten wir Ihnen mit diesem Katalog ein weiteres Spektrum dieser Zeit eröffnen. Die vielfältigen Techniken, die zum Einsatz kamen, die Formenvielfalt und der Ideenreichtum prägten d...

Anlässlich der Ausstellung „Gläser der Empire- und Biedermeierzeit“ im Museum für Angewandte Kunst in Wien möchten wir Ihnen mit diesem Katalog ein weiteres Spektrum dieser Zeit eröffnen. Die vielfältigen Techniken, die zum Einsatz kamen, die Formenvielfalt und der Ideenreichtum prägten diese Zeit ebenso wie die Möglichkeiten, Gläser in entsprechender Menge herzustellen und damit auch das neu entstandene Bürgertum mit diesen Gläsern zu erfreuen. Gab es in den früheren Jahrhunderten nur den Hochadel, der sich die Glashütten leisten konnte und der mit ihren Produkten beliefert wurde, so war es nun auch dem reichen Bürgertum möglich sich gegenseitig mit Gläsern zu allen möglichen Anlässen zu beschenken.

Einer der außergewöhnlichsten Vertreter der Empirezeit war Johann Joseph Mildner (1765-1808), der mit seinen Einsatzmedaillons in schlichte zylindrische Becher, deren Boden und Fußrand oftmals ebenso verziert waren, reichhaltige Wappen, Portraits und Szenen in Gold radiert hatte. In dem Silber hinterlegten Innenteil dieser Medaillons waren sorgsam feine Widmungen, Sprüche und die Signatur Mildners radiert. Obwohl die Technik bereits bekannt war, gab er so seinen Gläsern ein unverwechselbares Aussehen in höchster Qualität.

Für viele ist Anton Kothgasser in Wien ein Begriff für transparent bemaltes Glas mit vielen Ansichten aber auch mit den so typischen biedermeierlichen Dekoren, die oft doppelbödig dem Beschenkten ganz gewisse Mitteilungen machten. In dieser Epoche des Wiener Kongresses mit seinen vielen Akteuren fanden gerade diese „Souvenirs“ mit Stephansdom, Mariazell und Gloriette reißenden Absatz. Neben den Ansichten stellten Kothgasser und seine Werkstätte auch Gegenstände für den gehobenen Alltag her, wie uns das Thermometer zeigt, oder zum Beispiel die sehr hochwertige Ausführung einer Schreibtischgarnitur mit Lichtschirm für einen Beamten oder Anwalt. Schon der verwendete Granit und der polierte Stahl waren sehr modern. Der große Lichtschirm mit seinen vielen Ansichten ist eines der wenigen erhaltenen Exemplare.

Wer hätte nicht Erbarmen mit dem einsam schwimmenden Fisch oder dem Amor im Käfig oder der dringenden Bitte an den Schenker zu denken? Jede Gelegenheit bot Anlass für einen Dekor auf den Ranftbechern.

Einen breiten Raum nimmt das farblos geschnittene Glas ein. Der berühmteste unter diesen Künstlern war Dominik Biemann, dessen gravierte Portraits auch gerne vom Kaiserhaus bestellt wurden, wie unser Glas mit der Erzherzogin Sophie von Österreich zeigt. Regelmäßig besuchte der Erzherzog Biemann in seiner Werkstatt, in der er auch seine wunderschönen Pferdegläser gravierte.

Karl Pfohl entwickelte wieder eine reliefierte Gravurtechnik, die, wie man auf den Gläsern mit Kaiser Franz Josef I. sieht, eine große Wirkung erzielten. Ob man nun große Pokale bevorzugt, die reich geschnitten opulente Jagden nachempfinden oder lieber zu den kleineren, nicht minder qualitätsvollen Gläsern mit Orientalen und Pferden greift, die Vielfalt ist immer gegeben.

Es gab aber auch ganz spezielle Verfahren wie man an Hand der Lithyalingläser von Friedrich Egermann sieht. Als Konkurrenz zu den Steinschneidearbeiten, die groß in Mode kamen, erfand er die Lasuren, die Gläser wie Stein aussehen ließen. Eine große Anzahl davon ist in der Ausstellung im MAK vertreten, aber auch in unserem Katalog sind sie vertreten.

Ob nun einfache Überfanggläser oder mit doppeltem Überfang ausgestattet und mit feiner Gold- und Emailmalerei versehen, erzählen sie uns vom Leben in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts.

Gerne laden wir Sie ein, diese Gläser auch in natura bei uns in der Galerie zu besichtigen und wir erzählen Ihnen gerne etwas darüber.