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Als sich die ehemalige Pianistin Olga Wisinger-Florian gegen Mitte der 1880er Jahre aus der engen künstlerischen Verbindung zu ihrem Lehrer Emil Jakob Schindler löste, fand sie bald zu ihrem eigenen, für ihre Zeit modernen Stil. Ihre bevorzugten Sujets waren seit jeher Blumen. Neben den Stillleben – in dem für sie charakteristischen Typus des liegenden Wiesen- oder Feldblumenstraußes – begeisterte sich die Künstlerin besonders für reizvoll blühende Landschaften. Gerade in ihrer reiferen Schaffenszeit wählte sie Alleen, Parkansichten oder stimmungsvolle Garteneinblicke als Motive Ihrer schon damals im Künstlerhaus ausgestellten Werke. Der Farbauftrag ist nun deutlich offener, die Spachtel ersetzt immer öfter den Pinsel. Auch das Kolorit wird zunehmend kräftiger, in den folgenden Jahren sollen die intensiven, lichterfüllten Farben fast expressionistisch erscheinen. Ein weiteres, sich etwa um 1900 entwickelndes Stilmittel Olga Wisinger-Florians ist der Tiefenzug, der sich auf bei dem hier vorliegenden Gemälde schon in deutlichen Anklängen feststellen lässt. Die eindrucksvolle Ölarbeit wird beherrscht von prachtvoll blühenden weißen Lilien die sich nebst niedrigeren rosafarbenen Staudenblumen aus dem Mittelgrund des Bildes erheben. Die Pflanzen stehen am Rande eines ansonst kahlen Gartenbeetes, welches zu einem mit Stroh gedeckten, einfachen Bauernhof links dahinter gehört. Im rechten Bildhintergrund reihen sich Wiesen und Felder bis zu einem Wald am hohen Horizont. Die Komposition der perspektivischen Linien, geschaffen durch die Abtrennung der Beetreihen und der verschiedenen Grünflächen im Hintergrund, erzeugen eine Dynamik und eine Tiefe die den Blick des Betrachters nach links zum Hofgebäude lenken. Gemeinsam mit dem engen Bildausschnitt erzielt Wisinger-Florian auf diese Weise gekonnt eine realistische Wirkung. Als Vertreterin der Plein-Air-Malerei suchte die Künstlerin vor Ort, einer Fotografin gleich, nach dem perfekten Blickwinkel, um dem Bild eine atmosphärische Spannung zu verleihen. Es gelang ihr so auch am besten die herrschenden natürlichen Lichtverhältnisse einzufangen. In den gleißenden Strahlen der Sommersonne scheinen die Lilien förmlich zu leuchten, wohingegen der bewölkte Himmel ein bereits herannahendes Wärmegewitter erahnen lässt. Olga Wisinger-Florian kann mit Recht als eine der fortschrittlichsten Künstlerpersönlichkeiten ihrer Zeit bezeichnet werden.