Maria Lassnig

1919 Kappel am Krappfeld - 2014 Wien

  • Titel Melancholie
  • Datierung 1961
  • Technik Aquarell auf Papier
  • Maße 70 x 50 cm
  • Signatur rechts unten gewidmet, signiert, betitelt und datiert: Für Hans Albert Peters / M. Lassnig „Melancholie“ / 1961 links unten betitelt: Melancholie
  • Provenienz Sammlung Tove Kijewski und Hans Albert Peters, im Erbweg an den Vorbesitzer gegangen; Privatbesitz, Frankreich
  • Literatur Peters/Skreiner (Hg.), Zeichnungen, Aquarelle, Gouachen 1949 - 1982, Ausstellungskatalog Mannheimer Kunstverein (u.a.), Düsseldorf 1982, S. 43, Nr. 46; Hanne Weskott (Hg.), Maria Lassnig - Zeichnungen und Aquarelle 1946-1995, München 1996, S. 25
  • Sonstiges Dieses Werk wird in den in Vorbereitung befindlichen Werkskatalog der Maria-Lassnig-Stiftung aufgenommen.

Grün, Petrol, Blau, Grau, verschiedene Brauntöne und vor allem fleischiges Rosa dominieren Maria Lassnigs Bild „Melancholie“. Sämtliche Farben erscheinen in pastelligen Nuancen und entsprechen dem Medium des Aquarells auf Papier: lasierend aufgetragen, leicht ineinanderfließend, sich überlagernd. Die ursprüngliche Farbigkeit wird dabei bewusst manipuliert, sodass neue, gebrochene Nuancen entstehen. Maria Lassnig, 1919 in Kappel am Krappfeld in Kärnten geboren, setzte sich früh intensiv mit Farbe und deren emotionalem wie fragmentarischem Ausdruckspotenzial auseinander. Spätestens seit den 1950er-Jahren wandte sich die Malerin zunehmend vom Figürlichen ab und bewegte sich in Richtung der Abstraktion. Sie spielte dabei eine zentrale Rolle bei der Etablierung des Informel in Österreich, grenzte sich jedoch deutlich von den vorherrschenden Strömungen ihrer Contemporains ab. Stattdessen entwickelte sie einen eigenständigen malerischen Ansatz, der den eigenen Körper zum Ausgangspunkt der künstlerischen Auseinandersetzung machte. Lassnigs Körper fungiert dabei zugleich als Wahrnehmungsinstrument und Forschungsgegenstand. Ihr Körpergefühl – die sogenannte „body awareness“, also die radikale Selbstbefragung des Körpers – wird zum zentralen Thema ihres Werks. „Melancholie“ (1961) zeigt eine solche Auseinandersetzung mit dem eigenen Körper, seinen Faiblessen und Fragmentierungen. Dargestellt ist ein zusammengekauertes Wesen mit großen blauen Augen, breitem Körper und Kinn, angedeuteten Füßchen und Händchen sowie nach unten gezogenen Mundwinkeln, das am Boden Platz genommen hat. Im Hintergrund sind lediglich ein Tischbein und die Füße eines Sessels erkennbar – sie unterstreichen die Kleinheit und Verletzlichkeit der amorphen Gestalt. Dass es sich hierbei um ein Selbstporträt handeln könnte, liegt nahe: Zu deutlich sind die Parallelen zu späteren Selbstbildnissen, zu persönlich das im Titel formulierte Thema der Melancholie, das Lassnig kompromisslos und unmittelbar in Malerei übersetzt. Die sanften, beinahe lieblichen Farbnuancen stehen – wie so häufig in ihrem Werk seit den 1960er-Jahren – in starkem Kontrast zu den existenziellen und zutiefst persönlichen Fragestellungen, die ihre Arbeiten durchziehen. Maria Lassnig starb 2014 in Wien. Sie hinterließ als eine der bedeutendsten österreichischen Künstlerinnen der Gegenwart ein ebenso radikal persönliches wie nachhaltig einflussreiches OEuvre.