Arik Brauer

1929 Wien - 2021 Wien

  • Titel L"escargot
  • Datierung 1963
  • Technik Öl auf Holz mit Acrylgrund
  • Maße 61 x 84,3 cm
  • Signatur links unten signiert: BRAUER rückseitig bezeichnet, datiert und betitelt: 84 x 61 cm / BRAUER / 1963 / MALLORKA/ "L"ESCARGOT" rückseitig nummeriert: 1305 rückseitig diverse Galerieetiketten: Felix Landau Gallery, Landau Alan Gallery, Galerie Karl Flinker sowie ein Transportetikett der Firma Arthur Lénars & Cie rückseitig Zollstempel
  • Provenienz Galerie Karl Flinker, Paris; Felix Landau Gallery, California; Landau Alan Gallery NY; Byron Gallery, Inc., New York; Privatbesitz, Österreich
  • Literatur Arik Brauer. Werkverzeichnis, Bd. I, Dortmund 1984, S. 230f., Brauer WVZ-Nr. Öl 131; Wieland Schmied, Arik Brauer. Monographie und Werkkatalog, o.O. 1972, Tafel 25; Wieland Schmied u.a., Forum Verlag (Hg.), Malerei des phantastischen Realismus. Die Wiener Schule. Brauer Fuchs Hausner Hutter Lehmden, Wien 1964, S. 25

Charakteristisch für die Werke Arik Brauers sind vor allem die intensiven, weichen und nuancierten Farben und die detaillierte Kleinarbeit, die zusammen eine traumhafte Atmosphäre schaffen. Unter anderem sind Einflüsse von Pieter Bruegel dem Älteren sowie orientalischer Miniatur- und Ikonenmalerei erkennbar. Arik Brauer beschrieb seine Bilder einmal als bunte Steine in einem Bachbett, die man aufhebt und betrachtet: "Deine Phantasie beginnt sich zu drehen wie eine Mühle im Wind und vielerlei Gedanken werden wach. Meine Bilder sind elastisch nach allen Seiten hin und müssen von jedem Betrachter aufs Neue zu Ende gedacht und zu Ende gesehen werden."1) Das vorliegende Gemälde erweckt den Eindruck, als ließe es sich niemals eindeutig und endgültig zu Ende sehen, so vielschichtig begegnet uns Brauers fantastische Landschaft hier. Auf einem Grund unterschiedlichster Rot- und Orangetöne tummeln sich Fabelwesen und Figuren sowie einige versprengte Häuser, die in ihrer Architektur ein wenig an die verspielten Formen und Farben Hundertwassers denken lassen, mit dem Brauer eine innige Freundschaft verband. Verschiedene Elemente heben sich farblich stark von diesem märchenhaft-komplexen Hintergrund ab: Da ist ein gewaltiges, finsteres und bedrohlich wirkendes schneckenähnliches Geschöpf in der rechten Hälfte, an dessen unterem Ende scheinbar Flammen züngeln. Rechts davon hebt sich ein giftgrünes pflanzliches Gebilde scharf vom Hintergrund ab. Die linke Bildhälfte wird von einem verzweigten Baum beherrscht, in dem ein gelbgrünes, wolliges Nest zu ruhen scheint, bewohnt von einer zusammengekauerten, vogelartigen Lichtgestalt. Links unter dem Baum sieht man in leuchtend-hellen Farben ein riesiges, sagenhaftes Insekt. Scharf kontrastierend zum Geschehen im unteren Bereich ist der dunkelblaue, nächtliche Himmel, der nur von einer quallenartigen Wolke links und einem grün schillernden Insekt rechts unterbrochen wird. – Es gilt den Kontext zu ergründen, in dem all diese Gestalten, die scheinbar unabhängig voneinander in Brauers Bildkosmos existieren, zusammen doch Sinn ergeben.

1) Wieland Schmied, Arik Brauer. Monographie mit Werkkatalog, Wien/München 1972