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Nach den schwierigen Kriegsjahren beginnt Arik Brauer im Alter von 20 Jahren sein Studium an der Akademie der bildenden Künste Wien. Er tritt in ein künstlerisches Umfeld ein, das sich nach 1945 zwischen zerstörter Vergangenheit und dem Wunsch nach einem poetischen Neubeginn neuformiert. Während viele Künstler der Nachkriegszeit Abstraktion und Informel bevorzugen, entscheidet sich Brauer bewusst für die figurative Malerei, in der märchenhafte, mythische und surreale Elemente miteinander verschmelzen. Gemeinsam mit Ernst Fuchs, Rudolf Hausner und Anton Lehmden begründet er die „Wiener Schule des Phantastischen Realismus“, die er über Jahrzehnte entscheidend prägt und weiterentwickelt.
Aufgewachsen im jüdischen Wiener Bezirk Ottakring, sind Brauers frühe Erfahrungen von Verfolgung und Überleben während der NS-Zeit ein stiller, jedoch nachhaltiger Hintergrund seines Werks. Persönliche Erinnerungen verbinden sich mit kulturhistorischen Motiven zu einer poetischen Bildsprache, in der Traum, Allegorie und erzählerische Struktur untrennbar ineinandergreifen.
In den 1960er- und 1970er-Jahren entstehen jene präzisen ausgeführten Ölmalereien, die Brauer international bekannt machen. Altmeisterliche Technik trifft auf intensive Farbigkeit und phantastische Imagination. Jedes Bild wirkt wie ein Ausschnitt aus einem größeren, erzählerisch verzweigten Kosmos. Auch Brauers Tätigkeiten als Liedermacher und Architekt zeigen seine Fähigkeit, unterschiedliche Ausdrucksformen selbstverständlich miteinander zu verbinden.
Vor diesem Hintergrund steht das Gemälde „Der Tod und das Mädchen“, eine Neuinterpretation eines traditionsreichen Motivs der europäischen Kunstgeschichte. Während das Thema häufig als Motiv der Endlichkeit erscheint, gestaltet Brauer den Tod als geheimnisvolle, ambivalente Figur in einer stillen Beziehung zur jungen Frau. Bedrohung und Zärtlichkeit existieren nebeneinander und verleihen dem Werk seine besondere Spannung. Mit detailreicher Komposition, ornamentaler Linienführung und rhythmischer Farbverteilung entsteht eine Bildwelt zwischen Schönheit und Unheimlichkeit. Das Werk steht exemplarisch für Brauers Fähigkeit, kunsthistorische Motive in eine vielschichtige, poetische Erzählung zu überführen.