Friedensreich Hundertwasser

1928 Wien - 2000 Pazifik

  • Titel Spirale und Karos
  • Datierung 1957
  • Technik Aquarell auf kreidegrundiertem Packpapier
  • Maße 19,7 x 27,8 cm
  • Signatur rechts unten datiert und und signiert: 1957 / Hundertwasser rückseitig signiert, nummeriert und betitelt: Hundertwasser 145.7 334 (Werknummer) Spirale + Karos
  • Provenienz Privatbesitz, Schweden (direkt vom Künstler in Wien erworben)
  • Literatur Andrea Christa Fürst, Hundertwasser 1928-2000. Werkverzeichnis, Bd. II, Köln 2002, S. 346f., WVZ-Nr. 334; Wieland Schmied, Hundertwasser. Katalog der Kestner-Gesellschaft, Ausstellungskatalog, Hannover 1964, S. 161

Das Aquarell „Spirale und Karos“ von Friedensreich Hundertwasser aus dem Jahr 1957 verdeutlicht seine Kritik an Rationalität, Normierung und der geraden Linie. Hundertwasser, der sich nicht nur als Künstler, sondern auch als gesellschaftskritischer Denker verstand, setzte sich zeitlebens für ein naturnahes und individuelles Leben ein. Im Zentrum des Werkes steht der Gegensatz zwischen organischem Wachstum und künstlicher Ordnung, sichtbar durch die Gegenüberstellung von Spirale und Karomuster. Hundertwasser beschreibt seine Arbeitsweise: „Meine Spirale wächst und stirbt vegetativ, das heißt, die Spiralbahnen verlaufen ähnlich wie die Mäander der Flüsse nach dem Gesetz des Wachstums der Pflanzen. Ich tue dem Ablauf keinen Zwang an, sondern lasse mich führen.“ Damit zeigt er, dass seine Kunst nicht geplant, sondern an natürlichen Prozessen orientiert ist. Die linke Bildhälfte wird von einer farbintensiven Spirale dominiert. Sie wirkt dynamisch, unregelmäßig und in ständiger Bewegung. Für Hundertwasser ist die Spirale ein zentrales Symbol des Lebens und des Todes. Sie verdeutlicht, dass das Leben nicht linear verläuft, sondern von Wandlungen, Umwegen und Entwicklungsprozessen geprägt ist. Die Spirale entfaltet sich organisch und folgt keinem starren Ordnungsprinzip. Dieses Prinzip überträgt Hundertwasser auf Menschen und Erde, deren Existenz ebenfalls einem andauernden, nicht geradlinigen Wandel unterliegt. Die rechte Bildhälfte zeigt ein geometrisches Karomuster, das Ordnung, Vernunft und die von Hundertwasser kritisierte moderne Zivilisation symbolisiert. Diese Ordnung ist jedoch gestört: Linien beginnen sich zu wellen, kreisförmige Elemente tauchen auf, und eine kleine Spirale bildet sich in einem Feld. Eine organische Struktur dringt ins Raster ein und droht, es aufzulösen. So wird sichtbar, dass die starre Ordnung der Karos dem Wandel des Lebens nicht standhält. Hundertwasser entlarvt die „Gottlosigkeit der geraden Linie“ und ihre Unkreativität. Die Spirale folgt dem vegetativen Gesetz des Wachstums, wird dünner und dicker, weicht Hindernissen aus und kann keine Fehler machen. „Spirale und Karos“ zeigt den Sieg der Natur über die künstliche Form und macht Hundertwassers ökologisch-philosophisches Denken eindrucksvoll sichtbar