if walls could talk - Sabine Wiedenhofer

Das Fotographie-Kunstprojekt If walls could talk der Künstlerin Sabine Johanna Wiedenhofer vereint in eindrucksvoll sensibler Bildsprache Menschen, die etwas zu sagen haben, mit sagenhaften Gebäuden. Wiedenhofer lässt Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft ineinander verschmelzen.

Was passierte in...

Das Fotographie-Kunstprojekt If walls could talk der Künstlerin Sabine Johanna Wiedenhofer vereint in eindrucksvoll sensibler Bildsprache Menschen, die etwas zu sagen haben, mit sagenhaften Gebäuden. Wiedenhofer lässt Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft ineinander verschmelzen.

Was passierte in den privaten Räumen von Prinz Eugen, Anton Bruckner und Charlie Chaplin, die alle - wenn auch nicht zeitgleich - einst im Belvedere nächtigten? Die Wände haben alles gesehen. Alles gehört. Haben Schweiß und Tränen in sich aufgenommen. Könnten sie sprechen, müssten wir Geschichte umschreiben, Bilder neu ordnen, Perspektiven verändern. Könnten sie sprechen, würden sie uns täglich daran erinnern, wie sehr unsere Welt auf tönernen Füßen steht. Sie haben Leid, Krieg und Hass gesehen. Sie waren Zeugen großer Lieben. Sie haben gehört wie Kinder geboren und gestorben sind. Sie haben Hunger, Hass und Habsucht in sich aufgenommen. Sie wurden mit Liebe, Lust und Leben getränkt.

Wenn Schauspielerin und Menschenrechtsaktivistin Katja Riemann im Kammergericht Berlin porträtiert wird, jenem Ort, an dem 18.000 Menschen von NS Blutrichter Freisler verurteilt wurden, trifft die Scham über unsere dunkelste Geschichte auf die Hoffnung für eine Zukunft in einer gerechten Welt.

Wenn Provokateur, Regisseur, Drehbuchautor & Schauspieler Paulus Manker just in jenen Räumen fotografiert wird, in denen der österreichische Staatsvertrag unterzeichnet wurde, wird bewusst, wie eng die Freiheit Österreichs mit der Freiheit der Kunst verbunden ist. Dass Kunst immer und überall war und ist, veranschaulicht das Werk, in dem Kunsthistorikerin und Museumsdirektorin Agnes Husslein-Arco in der ehemaligen Zentrale der 1899 gegründeten Veitscher Magnesit Werke AG zu sehen ist und in dem heute eines der prächtigsten Hotels an der Wiener Ringstraße steht.

Sabine Johanna Wiedenhofer regt an, Vorhandenes zu hinterfragen und schreibt mit jedem neuen Bild die Geschichte weiter. Sie fordert einmal mehr Perspektivenwechsel und Widerspruch, die sie selbst – ähnlich ihrer Glas & Bullets Arbeiten - in jedem Werk lebt. Von Menschenhand Geschaffenes wird zum stillen Zeugen seiner ErschafferInnen. Die wahren Geschichten bleiben weiter verschlossen.

Und so werden auch bis in ferne Zukunft die Wände, an denen Wiedenhofers Werke hängen, über deren Entstehung und Geschichte mit der Künstlerin im Stillschweigen vereint bleiben.