Emil Nolde

1867 Nolde/Nordschleswig - 1956 Seebüll/Schleswig-Holstein

  • Titel Gelbe Dahlien
  • Datierung um 1930/1935
  • Technik Aquarell auf Japanpapier
  • Maße 47,3 x 34,7 cm
  • Signatur rechts unten signiert: Nolde
  • Provenienz Privatbesitz, Deutschland
  • Literatur Vgl. Emil Noldes späte Liebe. das Vermächtnis an seine Frau Jolanthe, Seebüll 2013, S. 41
  • Sonstiges Foto-Expertise von Prof. Dr. Manfred Reuther, Klockries vom 14. November 2004. Das Werk ist unter der Nummer Nolde A - 2594 im Archiv von Prof. Dr. Manfred Reuther registriert.

Emil Nolde, 1867 unter dem Namen Emil Hansen in Nolde in Schleswig-Holstein geboren, zählte bereits zu Lebzeiten zu den bedeutendsten Vertretern des deutschen Expressionismus. Seine unverwechselbare Bildsprache, dominiert durch ausdrucksstarke und leuchtende Farben, fasziniert nicht nur heute. Von seinen „Farbstürmen“ begeistert, lud ihn die Künstlergruppe „Die Brücke“ 1906 zur Mitgliedschaft ein, die er für kurze Zeit annahm. Zudem wurde er 1909 Mitglied der Berliner Secession. Emil Nolde ging es nicht um eine naturgetreue Darstellungsweise, im Vordergrund stehen Intensität und Strahlkraft der Farben, die Entmaterialisierung, der kontrollierte Zufall im Sinne der écriture automatique und um die Assoziationen, die damit beim Betrachter geweckt werden. Von Farben inspiriert, zieht Nolde die Natur als seine Inspirationsquelle heran.“ Die Farben der Blumen zogen mich unwiderstehlich an, und fast plötzlich war ich beim Malen […] Die blühenden Farben der Blumen und die Reinheit dieser Farben, ich liebte sie. Ich liebte die Blumen in ihrem Schicksal: emporsprießend, blühend, leuchtend, glühend, beglückend, sich neigend, verwelkend, verworfen in der Grube endend“, schrieb der Künstler 1906 seine Gedanken und Empfindungen nieder. Das Zitat materialisiert sich geradezu in dem Werk „Gelbe Dahlien“. Noldes meisterhafte Fähigkeit florale Motive in Farbempfindungen zu überführen, gelingt hier besonders gut. Das Japanpapier, für das der Künstler eine Vorliebe entwickelte, eignet sich besonders gut, um die Spontanität und den Fluss der Farbe zugunsten der Komposition einzufangen. Die drei gelben Blütenköpfe nehmen die obere Hälfte des Aquarells ein und scheinen der Sonne entgegen zu strahlen, sie stehen dieser in ihrem Leuchten in nichts nach. Das zarte Orange, das durch braune Töne Plastizität erhält, rundet die Farbstimmung der Blütenblätter ab. Die Blätter und Stängel der Dahlien sind im unteren Bildfeld angedeutet und verschmelzen allmählich mit dem leicht grauen Hintergrund, wodurch die Blüten den Eindruck erwecken, schwerelos über die Fläche zu treiben. Das satte Grün mischt sich harmonisch mit einem tiefen Blau, Schatten und Tiefe bilden einen schönen Kontrast zu dem Gelb der Blumen. Anstatt das florale Motiv durch eine stark kontrastierende Farbe hervorzuheben oder es auf einen schlichten weißen Grund zu setzen, schwimmen die Dahlien auf einem matten Grau-Braun. Man kann förmlich beobachten, wie die Aquarellfarbe über das Papier rinnt, die fließenden Übergänge schaffen eine zarte Spannung zwischen Form und Farbe. Das Spiel der Farbe verleiht dem Werk eine besondere Atmosphäre, die das Auge in ihren Bann zieht.