Herbert Brandl wurde am 17. Jänner 1959 in Graz geboren und zählt zu den Neuen Wilden im österreichischen Kunstsektor. Ab 1978 studierte er an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien unter Herbst Tasquil und Peter Weibel. Seit 2004 hat er eine Professur an der Kunstakademie Düsseldorf inne. An internationalen Ausstellungen nahm er ab den 1980er Jahren teil und war unter anderem auf der „Biennale de Paris“, der „Painting on the Move“ in Basel und der „Biennale di Venezia“ vertreten. Bis heute lebt und arbeitet er in Wien und gehört zu den wichtigsten Vertretern des Neoexpressionismus.
Mittels abstrakter Formen lässt er eine entspannte Ruhe entstehen. Diese Farbflächen, die das Blickfeld mit einer gegen die Ränder zunehmenden Spannung füllen, kündigen somit eine Möglichkeit zur Überschreitung des Rahmens an. Herbert Brandl verzichtet vollkommen auf die Körperlichkeit in der Malerei. Seine Freude an der Materie zeigt er durch den Erotismus, welcher sich durch alle Werke zieht. Auch die Farbflächen enthalten Spuren einer Körnigkeit, die dem Bild einen Zufallscharakter und somit einen zusätzlichen Wert geben.
Herbert Brandl (1959 in Graz geboren, lebt und arbeitet in Wien), nimmt eine prägende Position in der aktuellen Malerei ein. Seine Teilnahme an der documenta IX in Kassel 1992, der Biennale di Venezia 2007 sowie die Einzelausstellung in den Hamburger Deichtorhallen 2009 zeugen von seiner internationalen Präsenz. Brandls Frühwerk, das Anfang der 1980er-Jahren einsetzt, ist im wiederaufkommenden Neoexpressionismus zu verorten; seit Beginn der 1990er-Jahre ist eine im Duktus moderatere und im Farbauftrag lasierende Malerei charakteristisch.
Die Landschaft nimmt seit Brandls künstlerischen Anfängen einen wichtigen Stellenwert ein: Sie ist deskriptiv impressionistisch, eruptiv expressionistisch, sensitiv oder destruktiv angelegt. Dabei changieren die Bilder zwischen Abstraktem und motivisch Gegenständlichem; dieses Sowohl-als-Auch, diese Verschwisterung der entgegengesetzten Pole, findet vor allem seit 2000 eine deutliche Ausprägung, als der Künstler erstmals den Berg als konkretes Image in seine Bilderwelt integriert. Seither entstehen abstrakte Farbfeldmalereien und mächtige Gebirgsbilder nebeneinander.
Die aktuellen Gemälde sind vorwiegend von einer abstrakten Gesamtstruktur in greller, übersteigerter Farbgebung bestimmt. Geradezu prismatisch wird das Kolorit gebrochen und in unmittelbaren Pinselzügen auf die Leinwand gebracht. Diese Setzungen formieren sich zu einer dramatischen Flut, der der Betrachter ausgesetzt ist und die ihn in die Tiefen des malerischen Kosmos reißt.
Trotz aller Aktualität und Eigenständigkeit bekennt sich der Künstler zur großen Tradition der Malerei. Affinitäten zu den Alten Meistern, vor allem zu Altdorfer, Tizian und auch Rubens, sind deutlich erkennbar, jedoch ohne zitierenden Gestus. Es sind mehr atmosphärische Erinnerungsbilder, in denen jegliche Figuration und Narrativität beiseite geschoben werden. Brandl stellt elementare Fragen an das Tafelbild.
Herbert Brandls Œuvre ist stets ein Kaleidoskop des malerischen Handelns, das sich immer wieder selbst erneuert – unter dauerndem Risiko, das markierte Terrain zu verlassen und jedes Mal aufs Neue die Leinwand und mit ihr die Malereigeschichte zu meistern. Brandl sieht sich hierbei als Bergsteiger in der Felswand – beziehungsweise als »Bergseher« –, der der Gefahr ausgeliefert ist, abzustürzen, vom Gemälde »abgeworfen« zu werden oder doch den Gipfel (das in sich gestärkte Bild) heil zu erklimmen.