Franz West

1947 Wien - 2012 Wien

  • Titel Onkel-Stuhl
  • Datierung 2008
  • Technik Eisen mit gewobenen Textilgurten
  • Maße 85 x 61 x 58 cm
  • Signatur am hinteren linken Bein mittig nummeriert: P670
  • Provenienz Galerie Ghislaine Hussennot, Paris; Privatbesitz, London; Privatsbesitz, USA
  • Literatur A Tribute to Franz West, Galerie Konzett, Wien 2013, S. 199

Franz West wurde am 16. Februar 1947 in Wien geboren. Schon im Anschluss an seine Schulzeit interessierte er sich besonders für die aktuelle Wiener Kunst. 1970 – 1973 begann er autodidaktisch zu arbeiten, seine ersten kleinformatigen Zeichnungen sowie Aquarelle entstanden. Bald folgten auch seine ersten plastischen Werke. Die erste Ausstellung hatte West in der Galerie nächst St. Stephan. Anschließend begann er unter Bruno Gironcoli Bildhauerei an der Akademie der Bildenden Künste Wien zu studieren. Franz West wurde mehrmals ausgezeichnet, unter anderem mit dem Otto Mauer-Preis (1986), dem Preis der Stadt Wien für Bildende Kunst (1988) oder dem Wolfgang-Hahn-Preis (1998). Zudem hatte er zahlreiche Ausstellungen in Wien, New York, London, Basel, Köln und Los Angeles und arbeitete mehrmals an der Biennale in Venedig und der Documenta in Kassel mit. Auch hatte er 1992 – 1994 eine Professur an der Städelschule in Frankfurt inne. In den 1980er-Jahren begann sich West – in logischer Erweiterung zu seinen Passstücken – Möbelskulpturen zu widmen, die fortan einen zentralen Stellenwert in seinem Œuvre einnahmen. Die meisten dieser aus Gips, Pappmaché und Metall geformten Arbeiten entstanden, da ihm gängige Möbel nicht gefielen und er Möbel für seinen eigenen Gebrauch kreierte. Sie funktionieren einerseits als Nutzmöbel für den privaten Bereich und andererseits auch für den musealen Ausstellungsbereich als Möbelskulptur oder als Teil von Rauminstallationen. West wollte den Besucher in das Kunstwerk einbeziehen. Der Betrachter wird angestiftet, aktiv zur Verwirklichung und Vollendung beizutragen. Bei Sitzmöbeln ist die Hemmschwelle sehr gering und die bequeme Haltung erleichtert es dem Rezipienten – wie von Franz West initiiert – Kunst mit dem Terrain des Müßigganges und der Muse zu koppeln. 1) Die Onkel-Stühle entwickelten sich aus einer Reihe von Stuhlentwürfen Wests, die ihren Anfang mit einem bereits 1994 gebauten Stahlrohrsessel nahmen. Für die Documenta 1997 stattete West den von Heimo Zobernig gestalteten Vortragsraum mit 300 Doku-Stühlen aus. Diese waren eine Erweiterung des Stahlrohrsessels von 1994, der Kodu-Stuhl von 1999 ist wiederum eine Variante des Doku-Stuhls. Schließlich entstanden 2001 die Onkel-Stühle in offener Auflage mit aus bunten Kunststoffbändern geflochtenen Rückenlehnen und Flächen. Namensgeber ist der „Onkel“ eines Mitarbeiters, der als Tapezierer die Produktion übernommen hatte.

1) vgl. Christa Armann, Franz West, Gesammelte Gespräche und Interviews, Köln 2005, S. 25