Günther Uecker

1930 Wendorf/Mecklenburg - 2025 Düsseldorf

  • Titel Feld
  • Datierung 1999
  • Technik Nägel und weiße Farbe auf Leinwand auf Holz
  • Maße 60 x 40 x 11 cm
  • Signatur rückseitig betitelt, datiert und signiert: FELD / [19]99 / Uecker
  • Provenienz Galerie Uwe Sacksofsky, Heidelberg, Deutschland; Sammlung Monika und Horst Bülow, Leonberg, Deutschland (2005 bei vorherigem erworben)
  • Literatur Vgl. Alexander Tolnay (Hg.), Günther Uecker. 20 Kapitel, Ausstellungskatalog Berliner Kunstverein, Berlin 2005, S. 61

Eine weiß grundierte Leinwand, die auf ein massives Stück Holz gespannt ist, bildet den Träger für Günther Ueckers Relief. Hunderte Nägel schlug er dabei in den Grund. Diese sind in verschiedenen Winkeln und Feldern organisiert, die Köpfe sind mit weißer Farbe übermalt. Dabei kreierte er eine wellenförmige Rhythmik, die das rohe Material des Nagels organisch erscheinen lassen; einem vom Wind gebürsteten Feld gleich, welches je nach Perspektive seine Wirkung verändert. Die Oberfläche der Nagelköpfe wandelt sich zum raumgreifenden Objekt, der Wurf des Schattens fällt einmal so, einmal anders und verlässt dabei seinen Träger, geht in Kontakt mit dem Raum und lässt diesen Teil werden und Teil haben. Der 1930 in Wendorf (Mecklenburg) geborene Günther Uecker erlebte als Heranwachsender den zweiten Weltkrieg und dessen Folgen. 1955 verließ er die DDR und studierte 1955 bis 1957 an der Kunstakademie in Düsseldorf. Früh wandte er sich von der figurativen Kunst ab und entwickelte bereits Ende der 1950er Jahre die für Uecker so charakteristischen Nagelbilder. Seine Begeisterung für Licht, Bewegung und Dynamik veranlasste ihn den zweidimensionalen Raum zu verlassen und sich der Dreidimensionalität zu widmen. Auf Nagelreliefs folgten bald „benagelte“ Objekte und Alltagsgegenstände, Bilder mit Asche oder den Fingern gemalt. Ueckers Werk und Praxis war stets eine körperliche Kunst, bei der er seine eigene Fragilität und Verletzbarkeit hinterfragte und sich selbst in dessen Prozess einschrieb: „Wer ihm (…) einmal bei der Arbeit zuschauen durfte, gewann den Eindruck, dass er die Nägel fast blind und blitzschnell in einer einzigen und durchgehenden Aktion in das Feld setzte, das er erst nach Abschluss der Aktion als Ganzes zu Gesicht bekam oder dann, wenn seine Erschöpfung es erzwang.“1 Gemeinsam mit Heinz Mack und Otto Piene schloss sich Uecker 1958 der Künstlergruppe ZERO an. Ihre künstlerische Auseinandersetzung inmitten der gesellschaftlichen Desorientierung und Konfusion der Nachkriegszeit und des nationalsozialistischen Erbes veranlasste die Gruppe, nach einer eigenen radikalen Neuerfindung der Moderne zu suchen. Dabei experimentierte Uecker mit unterschiedlichen künstlerischen Strömungen und Zugängen wie etwa der Installation oder der Aktionskunst. Uecker setzte sich vermehrt mit (gesellschafts- und geo-) politischen Themen auseinander und verarbeitete seine Position zu aktuellen Geschehnissen in seinen Arbeiten. Uecker wird international ausgestellt und gesammelt. Er starb 2025 im Alter von 95 Jahren in Düsseldorf. Bis zu seinem Tod widmete er sich seiner künstlerischen Praxis.

1 Dieter Honisch, „Strukturfelder“, in: Günther Uecker. Zwanzig Kapitel, Berlin 2005, S. 60.